Henning Reitevents - www.henning-reitevents.de

Quelle: Reiter Revue International 2/2009, Text: Julia Wentscher

Zu Hause bei Toni Hassmann
Er lässt Herzen höher schlagen


Toni Haßmann mit seiner Stute Queen Liesa von
Quidam de Revel.
Er ist der Charmeur der Springreiter, gewann dreimal in Folge das Deutsche Springderby in Hamburg und liebt seine beiden Frauen – Gattin Anja und Tochter Angelina – über alles: Toni Hassmann.

Doch selbst wenn für den Chefbereiter auf Gut Berl bei Münster ein eigener Fanclub gegründet wurde und viele Mädchen bei seinen Ritten mitfiebern, ist er erfrischend natürlich geblieben: Toni Hassmann. Warum auch nicht? „Ich bin ein Familienmensch, eher ruhig und eigentlich immer gut gelaunt“, sagt er über sich selbst.

Star-Allüren sind Toni Hassmann fremd – auch wenn er in einem reedgedeckten Fachwerkhaus wohnt, das jeden Preis für „Schöner Wohnen“ gewinnen würde. „Das Haus gehört meiner Frau Anja“, sagt er geradeheraus. Und die traumhaft hohen Decken, die dem großen Wohnzimmer mit den alten Eichenbalken das besondere Flair verleihen, sieht er eher pragmatisch. „Heiz´mal so einen Raum, da steckst du ganz schön Geld rein.“ Wohl fühlt er sich auf dem Hof, den seine Schwiegereltern vor 13 Jahren gekauft haben. Die junge Familie hat einen eigenen Bereich, obendrüber wohnt Anjas Bruder, nebenan die Mutter. Mit viel Fingerspitzengefühl und Stilbewusstsein hat Anja ihre Erdgeschoss-Wohnung mit de großen Diele – einst Kuhstall, heute Wohn- und Esszimmer in Einem – dekoriert. Ein goldumrahmter Spiegel hier, ein moderner Kronleuchter da, viele Lichteffekte und antike Elemente.

„Zuhause sind wir froh, wenn wir unsere Ruhe haben“

„Wir sind wegen der vielen Turniere oft unterwegs. Zuhause sind wir froh, wenn wir unsere Ruhe haben“, erzählt Toni Haßmann. Für Ruhe ist Töchterlein Angelina natürlich nicht so zu haben, sie will bespaßt werden. Und da die Decken so hoch sind, kamen die Eltern auf die Idee, einfach eine Schaukel ins Wohnzimmer zu hängen. „Das liebt sie und damit kann sie sich stundenlang beschäftigen, wir müssen sie nur ab und zu wieder anschubsen“, erzählt Anja und lacht. Am 9. November 2006 kam die Kleine auf die Welt – und soll nicht die Einzige bleiben. „ja, weiterer Nachwuchs ist geplant“, verrät Toni Hassmann. Geheimnisse kann man in der Springreiterwelt sowieso nicht lange bewahren. Seit Angelina auf de Welt ist, wird bei Hassmanns jedenfalls einmal im Jahr Urlaub gemacht. „Früher sind wir gerne Ski gefahren, nun zieht es uns eher in die Sonne. Diesen Sommer waren wir auf Mallorca und hatten richtig Spaß, mit unserer Tochter am Strand zu spielen.“


Anja und Toni Haßmann leben mit
Tochter Angelina in einem alten
Bauernhaus in Lienen.
Jeden Tag fährt der gebürtige Westfale rund 25 Kilometer von seinem Wohnort Lienen nach Sendenhorst bei Münster. Dort reitet er seit 2003 auf Gut Berl, der Anlage von Hendrik Snoek. Auch der ehemalige Bundestrainer der Springreiter, Kurt Gravemeier, wirkt dort und trainiert auch Hassmann. Von seinen 14 Pferden gehören einige Snoek, es gibt aber auch viele von anderen Besitzern. Collin steht dort, der Holsteiner, mit dem er dreimal das als schwerstes Springen der Welt geltende Hamburger Derby gewann.

„Ich lasse die Pferde so gehen wie sie gerne wollen“

„Ein unglaubliches Pferd mit einem enormen Kämpferherz“, beschreibt ihn der 33-Jährige. Die 14-jährige Lauriston-Tochter Laceful, mit der er vielfach in Großen Preisen und Weltcup-Springen platziert war, reitet er ebenso wie die Calido-Tochter Carisma, die gerade auf der NRW-Körung einen prämierten Sohn von Stakkato präsentierte. Der Schimmel wurde für 110.000 Euro versteigert. Queen Liesa, die eigensinnige Quidam de Revel-Tochter, mit der er Zweiter im Nationenpreis von Lummen war, zählt auch zu seinen Springpferden. Zuvor war sie bei seinem Bruder Felix unterwegs und wurde mit ihm Europameister der Jungen Reiter. „Sie ist ganz schön speziell, weiß genau, was sie will und vor allem, was nicht.“ Doch bei ihr kommt ihm sein amerikanisch angehauchter Reitstil – wie er es nennt – entgegen. „Ich zwinge kein Pferd, anders zu laufen, als es will – ich arbeite lieber mit dem Pferd als gegen das Pferd“, erklärt Hassmann. Zum Beispiel springt er mit den älteren Pferden im Training nahezu gar nicht, die Jüngeren gehen einmal die Woche einen Parcours.

Bei den vierbeinigen „Profis“ steht die dressurmäßige Ausbildung im Vordergrund. „Die gehen alle zwei Wochen aufs Turnier. Queen Liesa und Laceful springe ich nur dort, das ist für sie optimal. Ich bin generell dafür, dass meine Pferde auf Turnieren Erfahrungen sammeln.“ Zum täglichen Training gehören Laufband oder Führanlage, im Sommer geht´s außerdem ins Gelände. Das ist nicht schwer: Gut Berl liegt mitten im Wald.

Mit Pferden groß geworden, wuchs Toni auf dem elterlichen Betrieb in Lienen auf. Der Vater Reinhardt war selbst im Springsattel erfolgreich bis Klasse S, die ganze Familie lebt von den Pferden. Früh beginnt Toni zu reiten, wird 1991 Team-Europameister der Ponyreiter, holt, vier Jahre später Einzelgold bei den Europameisterschaften der Jungen Reiter, 1996 kommt erneut Teamgold dazu. Er liebt die Reiterei, kann sich ein Leben als Profireiter gut vorstellen. In die Gedanken um die Berufswahl mischen sich Sicherheitsargumente, der Vernunftsgedanke, etwas „Solides“ zu lernen.

„Jeden Freitag fehlte ich, weil ich da ja schon auf Turnier war“


Dreifache Derby-Sieger: Haßmann und
Collin.
Und so begann er eine Lehre als Versicherungskaufmann. Ein halbes Jahr hielt er durch: „Jeden Freitag fehlte ich, weil ich da ja schon auf den Turnieren war. So kam ich natürlich nicht weiter und mein Ding war es nicht. Ich bin kein Büromensch. Also habe ich aufgehört.“ Und seine Bereiterlehre beim Vater begonnen.

Schon zu der Zeit kannte er Anja. Sie ritt damals Ponys, wohnte in Lengerich und trainierte bei seinem Vater. „Er war bekannt als guter Trainer. Ich dachte mir: Wenn du da hin gehst, wirst du vielleicht auch mal berühmt“, erzählt die 31-Jährige schmunzelnd. „Das hat zwar nicht geklappt, dafür habe ich Toni kennen gelernt“, lacht Anja, selbst bis M-Springen und L-Dressur erfolgreich. Und Toni ist für sie ein toller Ehemann – „Ich könnte mir keinen Besseren wünschen.“ 2001 haben sie geheiratet. Während Toni den Tag über auf Gut Berl ist, versorgt Anja die Pferde daheim. Ein paar Zuchtstuten, der Nachwuchs und einige zugekaufte Junghengste. Ihre Abstammungen: For Pleasure, Forsyth, Calido, Pontifex – reines Springblut natürlich. Was wohl niemanden wundert.

Nach der Bereiterlehre auf dem elterlichen Hof, den Bruder Felix übernehmen wird, ritt er ein dreiviertel Jahr am Deutschen Olympiade-Komitee für Reiterei (DOKR), bekam dann vom Mobilcom-Sponsor Gerhard Schmidt Spitzenpferde wie Landstreicher oder Goldika. Mit dem Holsteinerhengst Landstreicher, nach einem mehrjährigen Aufenthalt in Amerika nun Deckhengst auf Gestüt Famos, gewann er Große Preise in Passin, Hamina oder Spangenberg. Mit Goldika ritt er sich im Großen Preis von London, Aach und im Weltcup-Springen von Göteborg nach vorne. Nachdem sich die Zusammenarbeit löste, setzte Hassmann seine Erfolge mit Camirez, Lolita ode Meurer´s Le Patron fort. „Natürlich ist es immer besser, Pferde von mehreren Besitzern zu haben, dann ist man nicht so abhängig“, sagt er. Schließlich hat er noch einen großen Traum: Einmal Olympische Spiele oder Weltmeisterschaften zu reiten. Seine Fans wird es freuen.