Quelle: Pferdesport International, Text: Daniela Domnick, Foto: Frieler
Laceful - ein internationales Mädchen

Reiter Nummer neun: Mit Toni
Hassmann hat die Stute Laceful endlich
einen dauerhaften Partner gefunden.
Die 15-jährige Stute Laceful ist seit Jahren auf de Platzierungslisten in ganz Europa zu finden. Allerdings muss man suchen, denn stets taucht sie mit anderen Reiternamen auf. Seit 2007 ist die Lauriston-Tochter nun unter dem Sattel von Toni Hassmann und scheint endlich „angekommen“ zu sein. Nach guten Erfolgen in den letzten beiden Jahren startet Hassmann mit Zuversicht in die neue Saison 2009 und hofft, dass die heißblütige, aber treue Stute nun bis zum Ende ihrer Laufbahn bei ihm bleibt.
Ständiger Wechsel
In Europas größtem Gestüt, in Lewitz bei Paul Schockemöhle, wurde Laceful 1993 geboren. In ihrem Pedigree finden sich große Namen wie Landgraf I, Granit und Pilot. In Lewitz verbrachte sie ihre ersten Jahre und wurde von Norbert Nuxoll trainiert, bis sie der ukrainische Geschäftsmann Alexander Onischenko kaufte. Die ersten Turniere in Jungpferdeprüfungen bestritt Richard Grom vom Reitverein Bad Wörishofen mit ihr. Dann folgte über Jahre eine Serie von Reiterwechseln, die nahezu einmalig ist. Innerhalb von sieben Jahren nahmen acht verschiedene Reiter mit ihr an Turnieren teil. Darunter finden sich Namen wie Katharina Offel, Daniel Deußer und Alvaro Alfonso de Miranda Neto. Im Jahr 2007 kam Laceful dann zu Toni Hassmann, dem Reiter Nummer neun: „Das gesamte ukrainische Nationalteam hatte sie bereits geritten. Dann verkaufte Alexander Onischenko sie innerhalb der Ukraine an Timoschenko. Der hat mich wiederum angesprochen und sie mir zum ausprobieren gegeben“, erinnert sich Haasmann und fährt fort: „Ich kannte sie schon von früher, von vielen anderen Turnieren und wusste, dass sie sehr heiß ist. Aber ich wollte meine eigenen Erfahrungen mit Laceful sammeln. Sie war anfangs sehr stürmisch und schoss immer direkt los. Es hat ein paar Monate gedauert, bis wir so richtig zusammen gefunden haben.“
„Sie ist sehr speziell, da sie so heißblütig ist.“
Toni Hassmann

Sprunggewaltig, aber schreckhaft und
"heißblütig": Die Zangersheiderin
Laceful stellt Toni Hassmann stets vor
Herausforderungen.
Nachdem sich die beiden aneinander gewöhnt hatten und es schien, als wenn Laceful endlich ein Zuhause hätte, schlug das Schicksal wieder zu. Der Besitzer verkaufte alle seine Pferde und zog auch Laceful bei Toni Hassmann wieder ab. Aber die Trennung währte nicht lange. Andrey Milovanov, auch ein Ukrainer, erwarb sie. „Sechs Wochen später hatte ich sie wieder in meinem Stall. Ich reite auch noch andere Pferde von Milovanov. Mit ihm klappt das ganz gut und ich hoffe, dass Laceful bei mir bleiben wird“, erzählt der Profi aus dem westfälischen Lienen.
Schreckhaft
Auch Pflegerin Kathi Baakolanvaa hält einiges von der Dunkelfuchs-Dame: „Laceful ist ganz brav, ich kann nichts Negatives über sie sagen. Sie ist eigentlich immer ruhig und lieb. Erst wenn sie gesattelt und getrenst ist, wird sie hibbelig“, sagt die Finnin. Die Nervosität scheint der Stute manchmal im Weg zu stehen. Toni Hassmann:
„Sobald sie Sattel und Trense sieht, geht es los.“
Pflegerin Kathi Baakkolanvaa
„Beim Reiten ist sie überaus geräuschempfindlich. Bei großer Unruhe oder undefinierbaren Geräuschen wird sie schreckhaft, springt zur Seite oder zuckt stark zusammen. Vielleicht können wir noch ein bisschen mehr Ruhe in den Parcours bringen, aber mit ihren 15 Jahren ändert sich sicherlich nicht mehr viel.“
Lacefuls Trainingsplan ist ganz auf ihre Bedürfnisse abgestimmt: Toni Hassmann, der dreimalige Derby-Sieger, erklärt: „Zu Hause springt sie sehr selten, sie wird sonst zu nervig. Das Training besteht aus ganz normaler Dressurarbeit. Unser Turnierkalender wechselt immer zwischen kleinen und großen Veranstaltungen. Im Grunde kennt sie das alles auch schon lange genug und muss nur noch bei Laune gehalten werden.“ Kontinuität wird im Umgang mit der Stute groß geschrieben. „Sie hat ihre Routine, die unbedingt eingehalten werden muss.“ Toni Hassmann, der stets viele unterschiedliche Pferde in der Ausbildung und im Sporteinsatz hat, kümmert sich persönlich um die Stute und schenkt ihr besonders viel Aufmerksamkeit. „Außer mir reitet sie niemand. Bei Turnieren sitze ich gerne vor ihrer Box, dann kommt sie immer an und will schmusen. Oder ein Leckerli. Sie ist sehr personenbezogen“, weiß der Reiter.
Steißbeinprellung
Hassmann erinnert sich aber auch an eine unschöne Situation: „Letzen September im französischen Deauville wollte ich angaloppieren, doch plötzlich hat sie derart ihren Hintern in die Luft geworfen und sich dabei gedreht, dass ich im hohen Bogen runtergeflogen bin und mir das Steißbein geprellt habe. Da war es dann vorbei mit Reiten, wir mussten wieder nach Hause fahren. So etwas hat sie vorher noch nie gemacht, es war so, als ob sie eine Wespe gestochen hätte.“ Da Laceful trotz ihrer Geschichte so jugendlich und kernig geblieben ist, setzt Hassmann auch weiterhin auf die weit gereiste Dame.
„Durch kontinuierliches Reiten versuchen wir mehr Ruhe in den Parcours zu bekommen.“
Toni Hassmann
