Henning Reitevents - www.henning-reitevents.de

Quelle: Reiter Revue International 1/2009, Text: Cornelia Höchstetter, Fotos: U. Beelitz und M. Schreiner

Wie Profis die Springmanier beurteilen
Die Flug-Gesellschaft

Wenn Pferde über Reihen springen, dauert es nur wenige Sekunden. Für eine Analyse haben wir Momente in der Luft eingefroren. Selbst in dieser einzelnen Phase erahnen Profis Qualität und verraten, worauf sie schauen.

Es gibt viele, die springen gut, aber nicht spektakulär. Und das werden oft die richtig guten Sportpferde“, findet Springsportexperte Achaz von Buchwaldt aus Hamburg. Ihn und Ausbilder Karsten Huck aus Borstel haben wir gebeten, zu zeigen, worauf sie bei freispringenden Pferden achten. Beide kennen nur den gezeigten Moment. Anders in der Realität, bei einer Körung. „Da sehen wir die Hengste viermal: bei der Vorauswahl, beim Gesundheitscheck, der Generalprobe und der Körung“, sagt von Buchwaldt. Über das Springvermögen zu urteilen, auf nur einem Bild, das trauen sich beide nicht.

Experten für Luftsprünge

Wir haben den beiden Experten elf Fotos vorgelegt. Natürlich hatten es Achaz von Buchwaldt aus Hamburg und Karsten Huck aus Borstel in Schleswig-Holstein viel schwerer, die Pferde in dieser Momentaufnahme zu beurteilen. Auf den Fotos ist weder der Moment des Abspringens noch sonstige Umstände zu erkennen. Trotzdem entdecken die zwei jeden Menge Details zur Beurteilung eines Springpferdes.

Achaz von Buchwaldt: Doppelter Derbysieger von Hamburg-Klein Flottbek, 63 Jahre alt, trainiert seit 2005 die dänische Springnationalmannschaft. Seit 2005 ist er in der Holsteiner Körkommission Vertreter des Sports. An sein Derby-Pferd Lausbub erinnert er sich: „Er war beim Freispringen eine Katastrophe – mit Hängebein und völlig gerade. Und was für ein Klassepferd ist er geworden!“

 

 

 

Karsten Huck: Der 63-jährige gelernte Diplom-Betriebswirt trägt seit 2005 den FN-Titel Reitmeister. Huck hat 1988 olympisches Bronze gewonnen. Er ist seit 2006 Körkommissar der Süddeutschen Hengsttage. Außerdem hat er selbst zehntausende von Fotos in Verden geschossen.

 

 

 

 


Die Freispring-Note

Bei Hengstkörungen oder Leistungsprüfungen setzt sich die Note fürs Freispringen aus folgenden Aspekten zusammen:

  • die Bascule
  • das Interieur (der Kampfgeist)
  • die Technik generell
  • inwiefern das Pferd aus Fehlern lernt und sich beim nächsten Anlauf verbessert.

Glossar: Fliegersprache für die Springgasse

  • Bascule: Ideal, wenn sich das Pferd mit Rücken und tiefem Hals rund über den Sprung macht. Widerrist kommt hoch.
  • Gerade: Kein runder Rücken/Hals.
  • Hängendes Bein: Wenn ein, zwei Vorderbeine nicht angezogen werden, Unterarm oder Röhrbein nach unten zeigt.
  • Hinten aufmachen: Es geht vom höchsten Punkt in die Landung, hebt und streckt dabei die Hinterhand noch mal.
  • Ideale Beintechnik: Beide Vorderbeine gleichmäßig angezogen. Unterarm muss aus der Schulter raus, hoch angezogen werden, Hinterbeine sollen aufmachen.
  • Lässt sich fliegen: Oder: gut in der Luft. Wenn das Pferd hoch und weit springt.
  • Richtig nach oben springen: Keine flache Flugkurve, sondern eher eine steile.
  • Vermögen: Kraftvolles, großzügiges Abspringen, „alles drin haben“.
  • Widerrist hoch: Hinweis auf großes Vermögen. Oft ein vorsichtiger Sprung.