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Quelle: PM Forum 2/Februar 2009, Fotos: Kaup

Haring geht – Lauterbach kommt!


Dr. Hanfried Haring und Soenke Lauterbach
Einen Tag vor Vollendung seines 67. Geburtstages am 16. Dezember 2008 verabschiedete sich Dr. Hanfried Haring nach 36 Jahren in Diensten der Deutschen Reiterlichen Vereinigung, davon 17 Jahre als Generalsekretär, von seinen Mitarbeitern.

Zum 1. Januar 2009 hat Soenke Lauterbach [35] das Amt des Generalsekretärs und Vorsitzenden des geschäftsführenden FN-Vorstands übernommen.

Nein, langweilig ist das Amt eines FN-Generalsekretärs nicht. Das wurde spätestens bei der Verabschiedung Dr. Hanfried Harings kurz vor Weihnachten klar. Über 200 Gratulanten – vom FN-Präsidium bis zur kompletten FN- und DOKR-Belegschaft – trafen sich in den Räumen der FN-Zentrale in Warendorf, um sich für Harings jahrelangen Einsatz zu bedanken. 36 Jahre lang stand der promovierte Agrarwissenschaftler im Dienste der FN, fast die Hälfte davon als „Chef“.

1972, im Jahr der Olympischen Spielen in München, trat Dr. Haring die Stelle des Geschäftsführers der FN-Abteilung Zucht an, mit deren Neustrukturierung er sich in den folgenden Jahren beschäftigte. Meilensteine seiner Tätigkeit waren die Proklamation eines gemeinsamen Zuchtziels des Deutschen Reitpferdes (1975), die Neugestaltung der Hengstleistungsprüfungen und die Einführung der Zuchtstutenprüfungen sowie die Entwicklung und Einführung der Zuchtwertschätzung (1991), Von 1974 bis 1980 war er Präsident der Division Pferde der Europäischen Vereinigung für Tierzucht.

Dr. Harings Verbundenheit zur Wissenschaft unterstreicht seine Lehrtätigkeit über die Pferdezucht an der Universität Göttingen seit 1974. Sein Engagement wurde vielfach belohnt: Im Jahr 2004 zeichnete ihn die Deutsche Gesellschaft für Züchtungskunde (DGfZ), in deren Gremien sich Dr. Haring seit 1977 engagiert, mit der Adolf-Köppe-Nadel aus. Die internationale Zuchtvereinigung WorldBreeding Federation for Sport Horses ernannte Dr. Haring 2008 zum Ehrenmitglied.


(v.r.n.l.) Dr. Haring und "seine" Präsidenten:
Ehrenpräsident Dieter Graf Landsberg-Velen
(1968-2001) und Breido Graf zu Rantzau
(seit 2005).
Im Jahr 1986 übernahm Dr. Haring neben der Geschäftsführung des Bereichs Zucht auch die des DOKR. Beide Ämter gab er allerdings 1991 ab, um das Amt des FN-Gernalsekretärs zu übernehmen. Nach Umstrukturierung und Satzungsänderung wurde Dr. Haring im Jahr 2000 zum Vorsitzenden des geschäftsführenden Vorstands der FN berufen.

Im Laufe seiner Tätigkeit für die FN engagierte sich Dr. Haring in zahlreichen nationalen und internationalen Gremien. Von 1989 bis 2008 hatte er den Vorsitz der Arbeitsgruppe Pferd im Comité des Organisations Professionelles Agricole (COPA) bei der EU in Brüssel. Seit 1986 füllte er außerdem zahlreiche Ämter innerhalb der Internationalen Reiterlichen Vereinigung (FEI) aus und ist bis heute Vorsitzender der FEI-Ländergruppe II (Nordeuropa) und damit Mitglied des FEI-Bureaus.

Mit vielen Anektdoten und kleinen Geschichten blickten langjährige Wegbegleiter Dr. Harings wie der FN-Präsident Breido Graf zu Rantzau oder dessen Amtsvorgänger, Ehrenpräsident Dieter Graf Landsberg-Velen, auf die langjährige Zusammenarbeit mit dem FN-Generalsekretär zurück. „Der Amtswechsel von Dr. Ernst Burandt (Generalsekretär von 1972 bis 1992) zu Dr. Haring war wie ein Wandel vom Innen- zum Außenminister“, skizzierte Harings langjähriger Stellvertreter, DOKR-Geschäftsführer Reinhard Wendt, den Unterschied zwischen den beiden FN-Generalsekretären. Mit Soenke Lauterbach findet jetzt ein Generationenwechsel statt.

 

Interview mit Soenke Lauterbach


Der neue Mann im Chefsessel: FN-Generalsekretär
Soenke Lauterbach.
„Wir müssen unsere Glaubwürdigkeit behalten“

Seit 1. Januar ist er offiziell im Amt: Soenke Lauterbach (35) aus Halle/Westfalen ist neuer Generalsekretär der Deutschen Reiterlichen Vereinigung. PM-Forum sprach mit ihm über seinen Werdegang und seine neue Aufgaben.

PM-Forum: Man sagt Ihnen nach, dass Sie vor zehn Jahren bereits mit dem Wunsch „Generalsekretär“ zu werden, nach Warendorf gekommen seien?

Soenke Lauterbach: Das ist nur halbrichtig! Was stimmt ist, dass ich in der Schule – nachdem die Phase mit dem Feuerwehrmann und dem Hubschrauberpiloten hinter mir hatte – immer gesagt habe, dass ich wahlweise UNO- oder FN-Generalsekretär werden wolle. Allerdings ohne genau zu wissen, was das eigentlich bedeutet. Das habe ich dann scherzhaft auch in meinem Bewerbungsgespräch erzählt – was mir bis heute nachhängt. Tatsächlich aber bin ich mit weniger konkreten Ambitionen zur FN gekommen.

PM-Forum: Aber immerhin haben Sie sich bei der FN tatsächlich in Warendorf beworben. Was hat sie als Juristen denn überhaupt bewogen, bei der FN zu arbeiten?

Lauterbach: Gereizt hat mich – wie wahrscheinlich die meisten meiner Kollegen – die Möglichkeit, Hobby und Beruf zu verbinden. Dazu die Chance, die Dinge im Pferdesport mitzugestalten. Aus meiner ehrenamtlichen Tätigkeit im Verein und in der Studentenreiterei waren mir ֽFunktionärstätigkeiten' ja schon geläufig.

PM-Forum: Nun haben Sie ja nicht gleich als Generalsekretär begonnen, sondern als Nachwuchsführungskraft. Hatte das schon etwas mit Ihrer heutigen Funktion zu tun?

Lauterbach: Hier wurde sicherlich der Grundstein für meine heutige Tätigkeit gelegt. Als ich 1998 als Nachwuchsführungskraft (NFK) in der Abteilung Turniersport anfing, wurden gerade die beiden wichtigsten Regelwerke der FN, die Leistungsprüfungsordnung (LPO) und die Ausbildungsprüfungsordnung (APO), komplett überarbeitet. Dadurch habe ich die ganzen Abläufe von Anfang an hautnah miterlebt. Noch gut erinnern kann ich mich beispielsweise an meine Zeit an der LPO-Hotline: 150 Anfragen pro Tag waren keine Seltenheit. Aber dadurch bin ich mit den Inhalten gut vertraut. Darüber hinaus habe ich natürlich viel über die praktischen Abläufe hinter den Kulissen eines Turnieres gelernt. Bei meinen verschiedenen Einsätzen auf Bundesveranstaltungen habe ich so ziemlich alles gemacht: vom Schrankendienst am Einritt über das Wiegen der Kutschen bis hin zur eigentlichen Turnierleitung.

PM-Forum: Den Turniersport haben Sie also von der Pike auf kennen gelernt. Was gehörte noch dazu?

Lauterbach: Einen weiteren Aspekt des Turniersports, die Vermarktung, habe ich direkt nach meiner NFK-Zeit kennen gelernt. Ich hatte das Glück, bei der Erarbeitung des Fernsehvertrags mit der Agentur Sport A dabei zu sein, und habe mit vielen Veranstaltern gesprochen. Das kommt mir jetzt zugute, da das Thema Fernsehen, Veranstalter und Sponsoren ja ein für den gesamten Verband bedeutsames Thema ist.

PM-Forum: Hatten Sie denn schon Kontakt zum Generalsekretariat?

Lauterbach: Auch das. Ich habe schon während meiner NFK-Zeit immer wieder für Dr. Haring gearbeitet. Beispielsweise saß ich in der Strategiekommission der FN, die sich mit der zukünftigen Ausrichtung des Verbandes befasst hat. Später assistierte ich Dr. Haring als Protokollant auch für die entsprechende FEI-Kommission. Dadurch habe ich nicht nur spannende Kontakte geknüpft, sondern auch viel über den organisierten Pferdesport gelernt. Gleiches gilt für die Erarbeitung der IPSOS-Studie, die ich – damals schon als Leiter der FN-Abteilung Service – verantwortlich durchgeführt habe. Mit dieser Studie hatten wir erstmals verlässliche Zahlen über den Pferdesport in Deutschland.

PM-Forum: In den vergangenen Jahren waren Sie nur selten in Warendorf anzutreffen. Zuerst waren Sie in die Organisation der Weltreiterspiele eingebunden. Danach waren Sie fast zwei Jahre in Hongkong – und das schon als designierter Nachfolger von Dr. Haring. Inwiefern war dies Ihrer Meinung nach für die Vorbereitung auf Ihre jetzige Position nützlich?

Lauterbach: In Aachen habe ich in erster Linie viel über die Organisation eines hippologischen Großereignisses gelernt. Es ist einfach etwas anderes, direkt in alle Vorbereitungen eingebunden zu sein, als nur an ein oder zwei Vorbesprechungen teilzunehmen und dann während der Veranstaltung vor Ort zu sein. In Hongkong habe ich wieder andere Dinge gelernt. Ich war dort unter anderem Generalsekretär der Hongkong-FN. Die war zwar sehr klein – aber eben auch eine FN mit den entsprechenden Aufgaben. Vor allem geholfen hat mir aber die Tätigkeit für den Hongkong-Jockey-Club, die, so glaube ich, größte Sportorganisation der Welt mit 5.000 Mitarbeitern und rund 10 Milliarden Euro Umsatz pro Jahr. In dieser Zeit habe ich enorm viel über das Sportmanagement gelernt. Das wird mir hier hoffentlich zugute kommen. Darüber hinaus habe ich durch de Aufenthalt in Hongkong etwas Abstand zur deutschen FN bekommen. Damit wurde der Gefahr vorgebeugt, das neue Amt schon „betriebsblind“ anzutreten.

PM-Forum: Als Dr. Haring das Amt des Generalsekretärs von seinem Vorgänger Dr. Burandt übernommen hatte, wurde das Generalsekretariat vom Innen- zum Außenministerium. Wird das jetzt wieder rückgängig gemacht?

Lauterbach: Nein, denn der Generalsekretär ist immer auch der Ansprechpartner für die FEI. Da ich hier aber durch Dr. Haring als Vorsitzenden der Gruppe II der FEI unterstützt werde, bleibt mehr Zeit, in der ich mich um die Belange im Haus und vor der Haustüre kümmern kann. Das ist, wie ich höre, auch ein Wunsch der Mitarbeiter hier in Warendorf.

PM-Forum: Sie treten Ihr Amt in einer schwierigen Zeit an, was das Ansehen des Sports, aber auch die wirtschaftliche Lage betrifft. Worin sehen Sie die größte Herausforderung für das kommende Jahr?

Lauterbach: Hauptziel ist natürlich ein sauberer Sport. Wir müssen unsere Glaubwürdigkeit behalten beziehungsweise dort wiedererlangen, wo wir sie verloren haben. Das gilt intern, also innerhalb der Pferdesportszene, aber auch extern, in der Gesellschaft, in der Politik, bei den Sponsoren und Medien. Was die wirtschaftliche Situation im Lande betrifft, so sind bisher trotz der angedrohten Rezession weder Veranstalter noch viele Sponsoren abgesprungen. Allerdings hat die Erfahrung gezeigt, dass sich die wirtschaftliche Entwicklung erst mit ein- oder zweijähriger Verspätung auf den Pferdesport auswirkt. Das bedeutet, dass wir die Lage sehr genau im Auge behalten müssen. Allerdings kann ich weder in dem einen, noch in dem anderen Fall eine fertige Strategie aus dem Hut zaubern. Hier vertraue ich darauf, dass man mir, wie jedem Politiker, die berühmte 100-Tage-Frist einräumt.

PM-Forum: In der ersten Januarwoche haben Sie Ihr neues Büro bezogen. Was war das für ein Gefühl? Wie war der erste Eindruck?

Lauterbach: Also, um es vorweg zu nehmen, ich bin nicht mit Herzrassen aufgewacht. Aber es war schon ein eigenartiges Gefühl zum ersten Mal – und es war wirklich das allererste Mal – auf dem Stuhl des Generalsekretärs zu sitzen. Aber nur einen kurzen Moment lang.