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Quelle: PferdeSport International, Henriette Senden

So macht´s Theodorescu

Serie: Deutsche Dressurausbilder

„Das Pferd ist mein Freund, nicht mein Feind oder Untertan, und das prägt den ganzen Umgang. Natürlich muss es gehorsam sein, aber es darf keine Angst vor dem Menschen haben“. George Theodorescu

Freuen soll sich das Pferd, wenn sein Reiter kommt. Das ist eine der Grundmaximen, die George Theodorescu für seine Ausbildung nennt. Die Förderung seiner Intelligenz bei gleichzeitiger Achtung seiner Persönlichkeit gehört dazu. Zu diesen psychischen Komponenten kommt das Entwickeln des Gleichgewichts, das in der Arbeit mit jungen Pferden Vorrang hat. „Es ist sogar berechnet worden, dass das Pferd wenn man es in der Mitte durchschneiden würde, vorne 180 Kilo mehr wiegt als hinten. Dazu kommen dann noch Reiter und Sattel. Aber vergleicht man die Größe der Gelenke, sind die Sprunggelenke weit ausgeprägter. Das Pferd muss also Gewicht nach hinten verlagern, dort Last aufnehmen.“ Dazu bekommt es Zeit, wird außerdem nicht allzu tief eingestellt, sondern darf auch im fortgeschrittenen Ausbildungsstand zu Beginn der Stunde bei längerem Zügel in relativ freier Anlehnung gehen. Schlaufzügel sind bei Theodorescus verboten. „Viele sagen, sie gehören nur in die Hand eines Meisters. Aber der Meister braucht sie nicht, und wer sie dennoch braucht, ist kein Meister“, lautet sein Kommentar dazu. „Im Tierreich ist das Pferd das einzige Wesen, das uns auf Augenhöhe ansieht. Solchen Tieren kann ich doch nicht den Kopf auf die Brust ziehen.“ Um seine These weiter zu untermauern, spricht George Theodorescu das Pferd auf der Weide an. „Wann hat es Spaß an der Bewegung? Wenn es seinen Kopf hoch trägt – ich habe noch kein Pferd gesehen, dass auf der Wiese mit dem Kopf zwischen den Vorderbeinen trabt.“

Skala der Ausbildung oberstes Gebot

Was auf dem Lindenhof bei Theodorescus gilt, ist die Skala der Ausbildung. „Daran orientieren wir uns jeden Tag und bei jedem Ausbildungsstand“, sagt Theodorescu, und seine Tochter Monica ergänzt: „Wenn ein Pferd durchlässig und auf dem Hinterbein ist, kann ich auch höhere Lektionen reiten. Doch 80 Prozent des Reitens spielt sich eigentlich auf L-Niveau ab, schließt Volten, Schlangenlinien, Zirkel und Zirkelverkleinern, Rückwärtsrichten und natürlich viele halbe und ganze Paraden mit ein.“ Das Ziel ist die feine Verständigung zwischen Pferd und Reiter, Hilfen, die kaum sichtbar sind. „Das nenne ich dann den Freundschaftsbeweis, denn gute Freunde verstehen sich auch ohne Worte.“
en Leben komplett den Pferden gewidmet ist. Ein bisschen mag es den Besuchern des Lindenhofs wie eine Zeitreise erscheinen, wenn sie beobachten, wie die Pferde dort betreut werden. Selbsttränken sucht man vergebens, denn Theodorescu will, dass die Vierbeiner so viel Kontakt wie möglich zum Menschen haben, also auch von Hand getränkt werden. Ebenso sind die Futterkrippen so angebracht, dass der Pfleger die Box zum Füttern betreten muss und dabei noch mal das Pferd berührt. Anstelle einer Führmaschine werden die Pferde nachmittags an der Hand spazieren geführt. Denn eine schnelle, anonyme Abfertigung der Pferde ist auf dem Lindenhof tabu.