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Quelle: Pferdesport International 2008, Text: ds

„Röntgenblick“ für Spitzenpferde


Der Doktor der Dressur: Am 14. Januar
feiert Dr. Uwe Schulten-Baumer seinen
82. Geburtstag und blickt eine Karriere
zurück, die seinesgleichen sucht: Ob
Olympia-Titel, Welt- und Europa-
meisterschaftssiege, Auszeichnungen,
Ehrungen und sein legendärer
Röntgenblick für Dressurpferde von
Weltformat - einen wie ihn gibt es wohl
kein zweites Mal.
Manch einer würde sich nur zehn Prozent seines Könnens und vor allem seines Auges für Dressurtalente wünschen – und dieser Bruchteil würde wahrscheinlich schon reichen, um Spitzenpferde erkennen zu können. Doch das, was Dr. Uwe Schulten-Baumer im Laufe seiner beispiellosen Karriere erreicht hat, ist weit und breit einzigartig. Nun feiert der „Doktor“ am 14. Januar seinen 82. Geburtstag. Um sein Leben und Wirken ausführlich zu beschreiben, würde gleich ein ganzes Buch verfasst werden müssen: Olympische Siege, Weltmeisterschafts- und Europameisterschafts-Gold oder Weltcup-Triumphe: Es gibt nichts, was Dr. Uwe Schulten-Baumer als Dressurtrainer nicht erreichen konnte. Ob Isabell Werth, Nicole Uphoff, Sohn Uwe oder auch Stieftochter Ellen – der ehemalige Stahl-Manager brachte nicht nur Reiter von Weltruhm hervor, sondern entdeckte vor allem auch gleich Dutzende Grand Prix-Pferde bereits in jungen Jahren. Diesen, seinen einzigartigen „Röntgenblick“ für Top-Qualität belegen Stars wie Gigolo, Amaretto, Antony, später dann Satchmo, Warum nicht, Lesotho oder auch Donatha S – diese und weitere Überflieger erstand Schulten-Baumer zum größten Teil auf den Verdener Auktionen.
Von Kind auf mit dem „Pferdevirus“ infiziert, begann der promovierte Volkswirt und Autodidakt Dr. Uwe Schulten-Baumer seine eigene Laufbahn hoch zu Ross. Allerdings zunächst im Springsattel, bis Mitte der 1950er Jahre Glücksspiel den Weg in seinen Stall fand. Glücksspiel, eigentlich ein Vielseitigkeitspferd, war mit großem Potenzial für die Dressur ausgestattet. Erfolge bis zur Klasse S auf dem Viereck stellten sich ein. Durch seinen Sohn Uwe jr. Avancierte er zum Trainer. Den Junior brachte er zum dreimaligen Titelgewinn des Deutschen Meisters, 1978 war er gar Vize-Weltmeister, 1980 folgten Mannschaftsgold und Einzelsilber bei den Olympischen Ersatz-Spielen in Goodwood sowie 1981 der Titel Doppeleuropameister.

Vom Nachbarskind zur Dressur-Queen
Seine erfolgreichste Zeit allerdings stellte sich ein paar Jahre später ein, als die 17-jährige Nachbarin in den Stall des Doktors kam. Nur einen Kilometer Luftlinie von Schulten-Baumers Anlage entfernt wohnte die Gymnasiastin Isabell Werth, eine ambitionierte, bis dato ländliche Dressur- und Vielseitigkeitsreiterin, die Uwe Schulten-Baumer 1986 auf einem Turnier in der Gegend reiten sah – und staunte. „Sie war unglaublich talentiert, das sah ich sofort.“ Isabell Werth betont stets: „Ohne Frage habe ich ihm meine sportliche Karriere zu verdanken. Ich habe bei ihm nicht nur gelernt, junge Pferde ausbilden zu können, sondern auch ein Ziel konsequent zu verfolgen und nicht frühzeitig, die Flinte ins Korn zu werfen. Wenn man an etwas glaubt, dann kann man es auch erreichen“, berichtet Isabell Werth, die zusammen mit dem Doktor unter anderem sechs Olympische, sieben Weltmeisterschafts- und elf Europameisterschafts-Medaillen sowie sechsmal den Titel der Deutschen Meisterin gewinnen konnte. Insgesamt neunmal erhielt der „Doktor“ den Otto-Lörke-Preis für das erfolgreichste Nachwuchs-Grand Prix Pferd. „Er hat das Talent, sich ein junges Pferd als fertiges Grand Prix-Pferd vorzustellen. Eine visionäre Kraft, die nicht viele besitzen“, berichtet auch Ellen Schulten-Baumer über ihren Stiefvater, dem 2005 auch der Titel des Reitmeisters verliehen und der mehrfach zum erfolgreichsten Trainer gewählt wurde.