Quelle: Reiter Revue 02/2007, C. Höchstetter
Klönschnack mit Sönksen

Er war sicherlich der jüngste Sieger, den Aachen je gesehen hat: 1952 hat der vierzehnjährige „Holsteiner Jung“ den Großen Preis gewonnen. Heute erzählt Sönke Sönksen für die Horsemanship-Serie spannende Erlebnisse und Eindrücke aus 57 Jahren Springsport-Geschichte.
Wenn Sönke Sönksen (69) anfängt zu erzählen, ist das wie eine Reise durch die Geschichte des modernen Springsports. 1949 ist er las Elfjähriger zum ersten Mal in Aachen gestartet, als 14-Jähriger hat er 1952 den Großen Preis des Grenzlandes Aachen gewonnen – damals durften Jugendliche noch starten. „Angst vor den anderen Startern? Nein, ich kannte die ja gar nicht. Damals waren die großen Reiter weder durchs Fernsehen noch durch Zeitschriften bekannt.“
Sönke Sönksen wurde selbst schnell ein großer Reiter und hat Große Preise und Medaillen gewonnen: Etwa 1975, als er Mannschafts-Europameister wurde und Einzelbronze gewonnen hat. Später leitete der Deutsche Meister von 1978 den Warendorfer Springstall vom Deutschen Olympischen Komitee (DOKR).

DREI TAGE WAGGON
Als Equipe-Chef der deutschen Springreiter war er und als Trainer ist er immer noch rund um die Welt unterwegs.
Unterwegs funktionierte damals vieles anders: Als der 11-jährige Sönke zum ersten Mal als Reiter 1949 von Meldorf in Schleswig-Holstein zum CHIO nach Aachen fuhr, dauerte das drei Tage. „Wir reisten gemeinsam mit den Pferden im Eisenbahnwaggon.“ Aachen – ein großes Erlebnis für den kleinen Sönke: Samstag, Sonntag, Montag war Turnier, Dienstag Ruhetag, dann ging es weiter bis zum nächsten Sonntag. „Am Ruhetag haben wir einmal ein Bergwerk unter Tage besichtigt – das war was für uns Jungs.“

Überhaupt war damals alles anders: Die Zeiteinteilung war auf ein Stück Pappe gedruckt und „gleichzeitig Teilnehmerausweis“. Die Ställe waren noch vom Krieg zerstört, die Dächer kaputt, die Pferde deshalb auf den umliegenden Bauernhöfen verteilt, „dort, wo heute die Supermärkte um die Soers stehen.“ 30-mal ist Sönksen in Aachen geritten. Beim ersten Mal mit dem Pferd Luzie. „Für den CHIO bekam die Holsteiner Stute den Namen Ottfriede“, erzählt Sönksen. Früher hatte er „eine Wut im Bauch“, wenn seine beiden Springpferde während der Woche auf dem elterlichen Bauernhof ackern mussten. Heute ist er überzeugt: „Geschadet hat das den Pferden nicht, zumal die Springpferde mit dem Ziehen der Sämaschine die leichteste Feldarbeit bekamen. Er schmunzelt: „Und heute wirbt die Kölner Sporthochschule mit dem kutschenähnlichen Wagen von Ludger Beerbaum als neue Trainingsmethode.“ Im Training ist immer seine Devise: „Nach kurzer Lösungsphase mit leichten Trainingseinheiten beginnen und dann vermehrt daran arbeiten, was dem Reiter und dem Pferd schwer fällt.“

Stirbt das Pferd aus ?
Für das erste große Showprogramm in der Reiterszene gab es einen Grund: Der eklatante Pferdeschwund. 1950 gab es noch 1,5 Mio. Pferde, bis 1970 sachte die Zahl auf 253.000. "Überlegen Sie mal: Tatsächlich kamen von 1.000 Fohlen vielleicht 750 zum Metzger. Viele Züchter mussten aus wirtschaftlichen Gründen handeln." Gerettet wurden die Pferde über den Sport und die Freizeitreiterei. Sönksen hat es miterlebt: "Es hat sich so vieles verbessert." Sein Fazit: "Früher war nicht alles besser, aber auch nicht alles schlechter. Nur hatte man viel mehr Zeit."
