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Quelle: Reiter Revue 03/2007, A.B.

„Lernen, wie ein Pferd fühlt“


„Die Lehren, die das Pferd einem gibt,
muss man annehmen. Wenn ein Pferd
auf der Stelle trampelt, bestrafe ich es
nicht, sondern versuche daraus eine
Piaffe zu formen.“
Dressurtrainer Klaus Balkenhol

Mit Goldstern gewann er olympisches Gold. Als Bundestrainer führte er die Deutsche Mannschaft zu unzähligen Medaillen, als US-Coach brachte er den amerikanischen Dressursport an die Spitze. Klaus Balkenhol ist einer der besten Dressurausbilder der Welt, steht für die klassische Ausbildung und eine ganz besondere Beziehung zum Pferd.

Reiten hält jung“, strahlt der 67-jährige Klaus Balkenhol, der sich auch heute noch täglich in den Sattel schwingt. Von Reitmüdigkeit keine Spur. Auf seiner Anlage in Rosendahl-Osterwick bei Coesfeld trainiert der ehemalige Olympionike seine Tochter Anabel genauso wie amerikanische und deutsche Top-Reiter oder internationale Nachwuchsstars. Dabei kümmert er sich nicht nur um Piaffen, Passagen und Einerwechsel, sondern um alles, was auf dem Hof anfällt: Weidezäune reparieren, Traktor fahren, Heu einkaufen. Klaus Balkenhol will, dass es den Vierbeinern gut geht. Rund 20 Pferde stehen auf der Anlage, Fohlen inklusive. Jeden Abend macht Balkenhol seine Runde durch die Stallungen, sieht nach dem Rechten. „Diszipliniertes Verhalten im Umgang mit dem Pferd und die Achtung vor der Kreatur – das ist mich Horsemanship“, betont er. Genau dies kommt seiner Meinung nach heute oft ein wenig zu kurz. „Das gilt nicht nur für den Umgang mit Pferden, sondern auch für die Reiterei selbst. Zu oft beobachte ich, dass Pferde nur noch Mittel zum Zweck sind. Wobei der Zweck entweder im sportlichen Erfolg liegt, im Kommerz oder auch im gedankenlosen Freizeitvergnügen.“ Der Ex-Polizist mit ländlichen Wurzeln erwartet von einem Reiter mehr, viel mehr. „Als Horseman muss man spüren, was ein Pferd wirklich braucht. Und man muss erkennen, wann es einem Pferd nicht gut geht – muss Ursachenforschung betreiben.“

Vorbild Reitlehrer

Horsemanship vermitteln, das ist nach Balkenhols Ansicht vor allem auch Sache der Reitlehrer und Ausbilder. „Gerade sie haben ja Vorbildfunktion und sollten vermitteln, wie man mit dem Pferd sorgsam und respektvoll umgeht. Höflichkeit und Bescheidenheit zeigen – das gehört mich im Stall dazu.“ Und damit meint Klaus Balkenhol nicht nur die Höflichkeit und Bescheidenheit zwischen Reitstall-Kollegen, sondern auch das gute Benehmen gegenüber dem Pferd.

„Sprüche wie 'der blöde Gaul läuft nicht' gehören sich einfach nicht und zeigen, dass der Mensch noch sehr viel zu lernen hat – nicht das Pferd.“ Überhaupt ist es die oftmals aggressive Haltung mancher Reiter ihren Pferden gegenüber, die dem Horseman Balkenhol zu denken gibt. „Wenn ich mir anschaue, wie verbissen es auf manchen Abreiteplätzen zugeht, wie rüde einige Reiter mit ihren Pferden, aber auch mit ihren Helfern oder Konkurrenten umgehen, dann stimmt mich das sehr nachdenklich. Hier sind eigentlich die Richter gefragt, kontrollierend, aber auch aufklärend einzugreifen.“


Lerne vom Pferd

Klaus Balkenhol ist ein Mensch, der sich ein Leben ohne die Pferde nicht vorstellen kann. Sie haben sein Leben geprägt, ihm wertvolle Momente geschenkt. „Jeder, der mit Pferden umgeht, sollte sich immer wieder vergegenwärtigen, dass da Pferd im Mittelpunkt stehen muss. Immerhin erwarten wir als Mensch etwas von ihm. Deshalb müssen wir sein Wesen verstehen lernen, nicht umgekehrt.“ Dies ist Balkenhols Devise sowohl im täglichen Umgang mit Pferden als auch in der Dressurausbildung. „Der Reiter muss lernen, wie sein Pferd fühlt, was es braucht, wie es reagiert.“ Dabei spielt Zeit in der Balkenhol´schen Ausbildungsmethode eine ganz wichtige Rolle. „All die Pferde, mit denen ich zu tun hatte, haben mich eines gelehrt: Geduld. Besonders Goldstern war hier ein exzellenter Lehrmeister. Er hat mir gezeigt, dass immer nur ein Schritt nach dem anderen zu machen ist. Wenn er sich überfordert gefühlt hat, hat er mir das schnell klar gemacht. An solchen Tagen habe ich dann auch schon mal zurückgesteckt und ihn einfach bei einer Geländerunde entspannen lassen. Auf diese Weise hat er die Freude an der Zusammenarbeit mit seinem Reiter immer behalten.“

Rechtzeitig aufhören

Auch heute noch hört Balkenhol bei jungen Pferden sofort mit einer Lektion auf, wenn es so gar nicht gelingen will – oder sich erste Erfolge einstellen. „Ich habe zurzeit einen Siebenjährigen, der von Piaffieren noch keine Ahnung hat. Er ist ein sehr sensibles Pferd, das zu Beginn seiner Ausbildung immer sehr übereifrig war. Irgendwann hat er dann die ersten zwei, drei Tritte Piaffe gezeigt. An diesem Punkt muss man aufhören können. Das ist ganz wichtig. Wer hier zu viel vom Pferd verlangt, wird mit Sicherheit einen Rückschlag erleiden.

Die Kunst im richtigen Moment aufzuhören gehört für Balkenhol genauso dazu wie die Skala der Ausbildung. Das Pferd gymnastizieren und zum Partner machen – das ist seine Methode. Mit Pferden in Augenhöhe arbeiten und sie nicht unterzuordnen ist für ihn ein besonderes Anliegen. Aus diesem Grund lehnt er auch so genannte „moderne Ausbildungsmethoden“ wie die Rollkur ab. Seiner Meinung nach nimmt man den Pferden damit ihre natürliche Anmut und presst sie in ein künstliches Schema. „Ein richtiger Horseman sieht, ob ein Pferd freudiger Mitarbeiter oder geknechteter Arbeiter ist.“ Und: „Reiten ist etwas Wunderbares. Das Schöne ist doch zu sehen, wie sich Pferde mit Harmonie gemäß ihrer natürlichen Anlagen entwickeln.