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Quelle: Reiter Revue 05/2007, C. Höchstetter

Vorhang auf!


Da wirft Willibert Mehlkopf einen Blick
in die Albert-Vahle-Halle, wenn zur
Weihnachtszeit „sein“ Salut-Festival
über die Bühne geht.
Springreiter Willibert Mehlkopf

Willibert Mehlkopf war ein großer Springreiter – und er lässt springen: Die Jungen Reiter beim Aachener Salut-Festival, das er ins Leben gerufen hat. Das allein verrät viel über diesen Mann.

Natürlich mag er Fußball. Schließlich ist Willibert Mehlkopf (66) ein echter „Öcher“, also gebürtiger Aachener, für den Alemannia Aachen Ehrensache ist. Am liebsten im Stadion. Da liegt alles beieinander: Der Sport an sich, junge Leute und in direkter Nachbarschaft die Aachener Soers.
Willibert Mehlkopf hat als Springreiter von 1964 bis 1994 insgesamt 30 Nationenpreise gewonnen und dreimal den Großen Preis von Aachen. Wenn er über Horsemanship erzählt, betont er die sportliche Seite. Dazu gehören das Zusammenpassen von Pferd und Reiter, aber auch Menschliches wie das Miteinander der Reiter.
Dieses Miteinander hat er ganz besonders in der Soers gespürt. Dreimal beim CHIO zu gewinnen, das ist für einen Aachener ein besonderes Erlebnis.

Sprungbrett zum großen Traum

„Dort zu starten, ist ja der Traum oder das Ziel vieler Nachwuchsreiter“ sagt Mehlkopf. Ein Sprungbrett für diese Karriere, die Gelegenheit, Aachener Turnierluft zu schnuppern, initiierte Willibert Mehlkopf 1991 nut dem „Salut-Festival“, benannt nach einem seiner letzten international erfolgreichen Springpferde. „In der Albert-Vahle-Halle in der Soers sollten sich Ponyreiter, Junge Reiter und Junioren miteinander messen. Beim ersten Mal war der Anklang schon so groß, so viele Startplätze hatten wir gar nicht“, erzählt Mehlkopf. Egal, ob man ihn auf aktuellen Bildern vom Salut-Festival sieht oder auf alten Schwarz-Weiß-Fotos: Typisch für ihn ist das breite herzliche Grinsen.
Mit seinem Festival hat Willibert Mehlkopf eigentlich das ganze Jahr zu tun, um neue Sponsoren an den Wettkampf für die Jugend zu binden. Aber die Mühe lohnt sich, Mehlkopfs Vorstellungen sind aufgegangen: Vom Salut-Festival schaffen es immer wieder Nachwuchsreiter, sich später in der Soers auf dem CHIO zu beweisen. „Von den Deutschen sind es Marcus Ehning, Mylene Diederichsmeyer, Toni Hassmann oder Markus Beerbaum. Die waren damals auch schon gut, haben gewonnen. Es waren Talente, die gut weiter gefördert wurden und die gutes Material hatten.“ Das hat für Willibert Mehlkopf auch mit Horsemanship zu tun: Dass der Reiter gute Pferde erkennt. „Es greift eins ins andere.“ Er warnt immer wieder, vor allem die Eltern: „Qualität kann man kaufen, ein gutes Pferd muss man machen.“

 

Unauffällige Hilfen kontrollieren

Mehlkopfs Wissen ist Erfahrung. Seine Grundausbildung bekam er bei Otto Meyer im niedersächsischen Hoya, von dem er immer noch ehrfurchtsvoll spricht: „Das war einer, der an einem Wochenende S-Springen und S-Dressur ritt.“ Später ritt Mehlkopf beim Bundestrainer der Springreiter, beim Stilisten Micky Brinckmann. „Ich war oft in Warendorf, bei Brinckmann ging es immer um unauffälliges und kontrolliertes Reiten.“
Eine weitere Horsemanship-Regel von Mehlkopf: „vor dem Erfolg kommt der Schweiß.“ Die jungen Reiter sollen lernen, nicht alles vom Pferd zu verlangen, bevor sie es nicht selbst können. „Die gute und breite Grundausbildung der Pferde macht es aus. Hoch springen können sie alle, das hat die Zucht gebracht. Aber die modernen Parcours gehen alle über Distanzen und Rittigkeit. Und Kontrolle liegt in der Ausbildung. Mit einem Husarenritt gewinnt keiner mehr.“
Wenn Mehlkopf nicht für das Salut-Festival unterwegs ist, lebt er mit seiner Frau mitten in Aachen auf dem Gut Weyer, wo sich inzwischen Sohn Jens um die Pensionspferde kümmert. Selbst reitet Willibert Mehlkopf nicht mehr, trainiert aber noch einige Schüler. Sogar seine Enkel sitzen im Sattel. Die leben in Spanien, sind aber zur Zeit zu Besuch. „Mal schauen, aber momentan haben sie Spaß am Reiten“, erzählt der stolze Opa.
Ein bisschen scheint er es zu genießen, nicht mehr „jeden Tag auf der Matte zu stehen.“
30 Jahre lang, „beinahe jedes Wochenende bin ich international herumgereist und habe dort Gutes und Schlechtes mitgekriegt“, erzählt er. Mehlkopf ist keiner, der die Vergangenheit rosarot eintüncht – im Gegenteil: „Wir sind heute mit diesem Sport absolut im grünen Bereich“, findet der 66-Jährige. „Früher wurden die Pferde zu viel auf Turnieren eingesetzt.“

Die Jugendarbeit an der Spitze findet er gut: „Wir haben etwa 30 gute Junge Reiter. Wenn es davon nur drei zum Championatsreiter schaffen, können wir stolz sein.“ Das, was oben ist, ist gewachsen: „Die meisten haben ihre Championatspferde selbst soweit gebracht. Und das ist auch hundertprozentig Horsemanship.“
So ist Willibert Mehlkopf einer, der positiv in die Zukunft schaut und diese gute Stimmung auch um sich herum versprüht. Für ihn heißt es immer wieder: Vorhang auf. Spätestens bei seinem Salut-Festival in der Aachener Soers.