Henning Reitevents - www.henning-reitevents.de

Reiter Forum Award 2007

Quelle: Reiter Revue 06/2007, Cornelia Höchstetter

„Einen Preis für etwas, das solche Freude macht“

Madeleine Winter-Schulze hat vor Rührung fast geweint, als sie den Reiterforum-Award von Frank Henning entgegennahm. Sie ist DIE große Mäzenin im deutschen Reitsport – gemeinsam mit ihrem Mann besitzt sie 80 Pferde, viele sind weltklasse. Eine Auszeichnung für ein großes Vorbild mit Sportgeist.

Reiter Revue International: Sie haben den Reiterforum-Award für Ihr Mäzenentum erhalten – wo steht der Preis jetzt?

Madeleine Winter-Schulze: Das Pferdchen steht bei uns im Wohnzimmer. Gegenüber der Couch, auf der mein Mann Dieter und ich abends sitzen. Wir haben die Figur also immer im Blick. Die ist so groß wie unsere Hunde und steht auf dem Boden, weil das Metall so schwer ist, dass es nicht einmal das Schrankregal aushält.

RRi: Sie waren bei der Preisverleihung sehr gerührt.

Madeleine Winter-Schulze: Ja, ich freue mich so darüber, weil es eine Anerkennung für eine Sache ist, die mein Mann und ich gerne tun, jeden Tag tun und jederzeit wieder so machen würden. Wir kaufen in Absprache mit unseren Reitern – wie Isabell Werth, Ludger Beerbaum oder Ina Saalbach-Müller – Pferde und stellen sie ihnen zur Verfügung. Dabei machen Dieter und ich nie etwas im Alleingang, sondern sprechen jeden Kauf gemeinsam ab.

RRi: Sie sind fast immer dabei, auch in Las Vegas: Wie war das Weltcup-Finale?

Madeleine Winter-Schulze: Las Vegas war ein Erlebnis, eine ganz andere Welt. Ich bin aber auch froh, wieder zu Hause zu sein. Und ich bin immer erleichtert, wenn wie jetzt Isabell Werth, die mit unserem Pferd Warum nicht geflogen ist, vom Flughafen anruft, dass sie beide gut und gesund gelandet sind. Über den Weltcup-Sieg habe ich mich sehr gefreut! Schließlich haben wir Warum nicht als Sechsjährigen gekauft und viele haben gefragt, was Isabell denn mit dem will.

RRi: Was motiviert sie immer wieder?

Madeleine Winter-Schulze: Einmal die Tatsache zu sehen, wie unsere Pferde auf Turnieren gehen. Überhaupt das Zusammensein mit den Reitern, schon auf dem Abreiteplatz beim Vorbereiten. Und natürlich in der Prüfung – wir sehen sie einfach gerne reiten. Wir freuen uns über ihren Erfolg und wir trösten, wenn es eben nicht so klappt. Es ist die sportliche Seite genaue wie das Menschliche.

RRi: Der Reiterforum-Award ist ja nicht ihr erster Preis, oder?

Madeleine Winter-Schulze: Nein – eine tolle Sache war natürlich das Bundesverdienstkreuz, das mir letztes Jahr unsere Familienministerin Ursula von der Leyen verliehen hat. Isabell, Ludger und die Reiter haben nach den Weltreiterspielen den Antrag gestellt, ohne dass ich es wusste.

RRi: Was war denn der Anfang der Mäzenin Madeleine Winter-Schulze?

Madeleine Winter-Schulze: Das war schon so, wie Heike Kemmer es auf der Preisverleihung erzählte: Sie selbst war eigentlich die Erste, die ein Pferd von mir zur Verfügung gestellt bekam. Wir beiden kannten uns ja als Berliner Reiter, sind zusammen Turniere geritten. 1982 sollte Heike Kemmer als Junge Reiterin die Berliner Meisterschaft reiten, hatte aber kein Pferd. Heike hat meinen „Good Boy“ probiert und es passte. Das ging dann so weiter, bis zur Deutschen Meisterschaft. Jedem hätte ich nicht das Pferd gegeben. Bei Heike wusste: Sie ist eine gute Reiterin. Später kam die ehemalige DDR-Dressurreiterin Ina Saalbach-Müller dazu, die wir auf den Turnieren in Polen kennen gelernt haben. Nach dem Mauerfall hätte sie ihr Pferd weggeben müssen, es gehörte ja nicht ihr. Das haben wir gekauft. Oder Karin Rehbein: Als ihr Mann Herbert – bei dem ich geritten bin – 1997 gestorben ist, brauchte sie auch ein bisschen Unterstützung. Also haben wir „Cappuccino“ von Ulli Kasselmann gekauft. Ich dachte, das sei im Sinne von Herbert. Damals hatte auch mein Mann sein Springpferd Gaylord. Herbert Meyer, der damalige Bundestrainer, hat gesagt: Ihr müsst ein solches Pferd dem besten Nachwuchsreiter geben. Das war damals Ludger Beerbaum, der gerade in Warendorf einzog.

RRi: Welche Voraussetzungen müssen ihre Reiter mitbringen?

Madeleine Winter-Schulze: Das Menschliche: Vertrauen muss da sein oder wachsen. Die Chemie muss einfach stimmen. Nur einmal war das nicht der Fall. Das Wichtigste für uns ist die Freundschaft und die Beziehung zu den Reitern. Wir sprechen alles gemeinsam ab und würden nie ein Pferd ohne Einverständnis seines Reiters verkaufen.

RRi: Was wünschen Sie dem Reitsport?

Madeleine Winter-Schulze: Dass es solche wie uns mehr gibt. Dass die Mäzene von den Reitern so gut behandelt werden wie wir und nicht enttäuscht werden. Ich rede gerne gut zu, dass die eigenen Pferde einem talentierten Reiter zur Verfügung gestellt werden. Da möchte ich Vorbild sein.

Das Interview führte Cornelia Höchstetter.