Quelle: Cornelia Höchstetter Reiter Revue 10/2007
Lernen mit Meistern
Aufgalopp und kleine Paraden
Was Olympiareiter von ihren Reitschülern verlangen – das erfahren Sie in unserer Serie „Lernen mit Meistern“. Lone Jörgensen legt größten Wert auf ein passendes Pferd-Reiter-Paar und auf gute Vorbereitung.
Gas und Bremse müssen stimmen: Gas ist treibender Schenkel und Sitz, Bremse ist die Einwirkung mit Kreuz und verhaltender Zügelhand. Wenn das nicht funktioniert, funktioniert auch keine Lektion“, erklärt die dänische Championatsreiterin Lone Jörgensen die Grundlage ihrer Dressurstunde, die sie im schwäbischen Korntal-Münchingen abhält.
Lernen mit Meistern – die Reiter-Revue-Serie geht weiter. Diesmal in Zusammenarbeit mit dem Mercedes-Benz-Reiter-Forum, das Frank Henning initiiert (Termine Seite 22). Wir besuchen die Referenten – allesamt prominente Profi-Reiter – zu Hause auf ihren Anlagen, schauen den Profis über die Schulter, wenn sie ihre Schüler trainieren und geben ihre Tipps weiter an unsere Leser. Dabei steht in jeder Folge Meinung und Methode des jeweiligen Ausbilders im Vordergrund.

Die natürliche Aufrichtung annehmen - sagt
Lone Jörgensen. Das gilt gerade für junge Reiter
wie Josephine Binder.

Gut gearbeitet? Dann dehnt sich das Pferd. Lautrec
darf sich so verdientermaßen entspannen.
Sie begleitet den Reiter, verbessert und lobt. Das findet Josephine gut: „Lone weiss immer, was in welcher Situation das Beste ist und dann klappt alles viel besser.“ Im Laufe der Zeit kann Josephine viel Erfahrung sammeln und damit jede Situation selbst einschätzen lernen.

Jörgensens Prinzip: Junge Reiter sollen
von erfahrenen Pferden profitieren.

„Lob' ihn mal!“ - mit Motivation werden
auch dickfellige Pferde feinfühlig.
Nadine Kratky fasst ihre reiterliche Entwicklung zusammen: „Ich habe früher oft den Fehler gemacht, mit zu viel Druck zu reiten. Die Hälfte hätte gereicht. Ich habe gelernt, im richtigen Moment loszulassen. Auch wenn man selber noch denkt, man könne jetzt nicht loslassen. Aber genau das führt zum Erfolg.“
Hat ein normaler Reiter ein zu schwieriges Pferd, ist Lone Jörgensen ehrlich: „Verkaufen. Wenn schon anfangs der Satz fällt: 'Das krieg´ ich schon hin´, ist das ein lebenslanger Kampf. Und Amateure wollen doch Spaß beim Reiten. Hinkriegen müssen das Profis'“.
Der perfekte Plan
Wenn Uli Eggers seine Lone mit einem Wort beschreiben soll, fällt ihm ein Charakteristikum ein: „Sie ist Perfektionistin.“ Tatsächlich gehört für die dänische Dressurreiterin weit mehr zum Erfolg als eine gute Reitstunde. Ein paar Punkte aus Lones perfektem Plan:



„Wie ein Kaugummi: Zureiten und wieder zusammenschieben. Bis das Pferd in der Lage ist, sich völlig auszubalancieren.“
- Zeit: „Wenn ich ein neues Pferd reite, braucht es erfahrungsgemäß zwölf Monate, bis wir jede Situation kennen und jede Möglichkeit ausgeschöpft ist, dass es noch besser wird. Für den ersten Turnierstart bereiten wir uns gründlich vor: Wir besuchen andere Plätze, reiten in fremden Hallen bis die Pferde ohne Stress laufen. Mein letztes Grand-Prix-Pferd Ludewig habe ich zum Beispiel ein Jahr lang mit aufs Turnier genommen, ohne zu starten. Der hatte da schon ohne Prüfung genügend Stress.“ Also: Aufwand, Absicherung nach allen Seiten – das macht sich langfristig bezahlt.
- Passendes Paar: „Gerade im Fall eines Juniorenreiters empfehle ich ein gut ausgebildetes Pferd. Der unroutinierte Reiter profitiert von der Erfahrung des Pferdes. Verlasspferd klingt leider so negativ, ist aber die beste Basis für den Junior.“
- Funkgerät: „Meine Schüler tragen normalerweise ein Headphone. So schone ich meine Stimme, die Atmosphäre bleibt ruhig fürs Pferd und der kleine Mann landet direkt im Ohr des Schülers. Der reitet so konzentrierter.
- Kandare: „Wenn die Basisausbildung stimmt, sehe ich keinen Grund, das Gebiss immer zu wechseln. Ich reite dann nur auf Kandare – ich muss ja üben, was auf Turnieren verlangt wird.“
- Das Kleine achten: „Lone Jörgensen liebt es fein und fordert „kleine Stupser am Bein“ oder „kleine Paraden“ – alles was leicht und locker macht. Aber: „Die richtige Reaktion dann auch vom Pferd verlangen!“
- Maßgeschneiderte Übungen – für jedes Pferd, für jeden Reiter, für jeden Tag. Heute bekommt „Schlitzohr“ Lautrec Galoppeinheiten zur Aufgabe. „Das ist eine Vorbereitung für die Galopp-Pirouette: Aufnehmen, zurücknehmen und trotzdem soll er weiterspringen. Wer lernt, eine Pirouette wirklich zu reiten, muss in der Lage sein, auf einer kleineren oder größeren Volte das Pferd so aufzunehmen, dass sie rein- und rausdrehen können. Wenn sie das können, können sie jederzeit über die Pirouette bestimmen.“ Mit dieser Übung will Jörgensen Pferde wie Lautrec, die sich gerne bitten lassen, sensibel und damit durchlässig machen.

Zwei, die zusammen gehören: Dressurreiterin Lone
Jörgensen und ihr Lebensgefährte Uli Eggers.
Longe Jörgensen (45) ist in Kopenhagen geboren, lernte in Dänemark Bereiterin und wollte als Springreiterin sämtliche europäische Länder bereisen. „Dann bin ich gleich in Deutschland hängengeblieben und wurde auch noch zur Dressurreiterin“, lacht sie. Schuld waren Springausbilder Uli Eggers aus Korntal-Münchingen bei Stuttgart, ihr heutiger Lebensgefährte – und die falsche Programm-Nummer auf einer Fohlenauktion: Statt eines Springfohlens ersteigerte das Paar versehentlich ein Stutfohlen mit Dressur-Abstammung. Da ist es passiert – und das Reiten im Viereck machte der blonden Dänin auch noch Spaß. Wieder gemeinsam mit Uli Eggers ersteigerte sie 1992 einen talentierten vierjährigen Württemberger: Das war FBW Kennedy, mit dem sie von den Bundeschampionaten bis zu den Weltreiterspielen in Jerez 2002 ritt (Mannschafts-Vierte und Einzel-Achte). Sein Nachfolger wurde Ludewig G – mit ihm wurde Lone Jörgensen Mannschafts-Fünfte bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen. Ludewig ist inzwischen verkauft. Der Nachwuchs steht auf dem Hofgut BiScha: unter anderem ihre vierjährige Fuchsstute Donna Asana von Don Schufro – eine echte Dänin.
