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Quelle: Pferdesport International; Text: Daniela Domnick, Fotos: Frieler

The King of Dressage


Elvis VA (Verdener Auktionspferd) ist
ein Tänzer und macht in der Kür zu den
Rhythmen von Elvis Presley seinem
Namen alle Ehre.
So klangvoll wie der Name, so beeindruckend das Pferd. Elvis VA ist unter dem Sattel von Nadine Capellmann ein König im Viereck. Aber der Weg an die Spitze war für seine Ausbilder und Reiter alles andere als ein Spaziergang.

Der Hannoveraner hat mit nur elf Jahren längst Reitsportgeschichte geschrieben, obwohl seine Karriere eigentlich noch vor ihm liegt. „Elvis kann sich gewaltig bewegen und er verliert nie die Nerven. Vielleicht gibt es das perfekte Turnierpferd nicht, aber Elvis kommt ihm sehr, sehr nahe“, schwärmt Nadine Capellmann. Doch das war nicht immer so. Zu Beginn setzte Elvis VA erst mal drei Olympiasieger in den Sand.

„Er hat von Natur aus so viel Schwung, Dynamik und Elastizität. Er nimmt den Reiter einfach mit und reagiert auf die feinsten Hilfen.“
Nadine Capellmann

„Ich wollte eigentlich ein Springpferd züchten“, erklärt Christian Pfeil die Anpaarung seiner Stute Georgia mit dem Celler Landbeschäler Espri. Heraus kam das Multitalent Elvis. Der Name ist tatsächlich eine Hommage an den King auf Rock´n Roll. „Wenn er sich auf der Weide bewegte, flatterte seine Tolle vorne hin und her, da gaben meine Töchter ihm schon als Fohlen den Namen Elvis“, erinnert sich der Züchter. Als Jährling stand dann das Leben des heutigen Dressurstars auf der Kippe. Elvis zog sich auf der Außendeichweide eine schlimme Verletzung am Karpalgelenk zu. „Ich habe damals den Tierarzt gefragt, ob sich die Behandlung überhaupt noch lohnt“, gibt der Züchter offen zu. Ein halbes Jahr musste der Hannoveraner in seiner Box verbringen, bevor er sich langsam wieder bewegen durfte. Christan Pfeil war überglücklich, als feststand, dass außer einer Narbe nichts zurückbleiben würde. Im Frühjahr 2000 wurde Elvis zur Elite-Auktion in Verden angenommen. „Günther Friemel wollte ihn unbedingt im Springkader, ich wollte ihn im Dressurkader haben, um endlich mal Geld zu verdienen“, schmunzelt Christian Pfeil, der schon früh die Veranlagung seines „Springpferdes“ für die Dressur erkannte. Der Doppelveranlagte Espri-Sohn wurde für 115.000 DM von Martin Schaudt ersteigert, womit klar war, welches seiner Talente in Zukunft gefördert werden würde.

Von der Alb nach Aachen
„Er kam durch den Tunnel in die Halle, und ich war begeistert, erinnert sich Martin Schaudt noch genau an die erste Begegnung und konkretisiert: „Er hatte ein schnelles Hinterbein und eine fantastische Galoppade. Allerdings war er noch recht klein und jugendlich.“ Doch auch andere Pferdekenner hatten den ungeschliffenen Diamanten bereits erkannt, und Martin Schaudt musste sein Limit von 50.000 DM stark überschreiten. Angekommen auf der schwäbischen Alb, gewann Elvis einige Jungpferdeprüfungen.

„Er ist ein absolutes Leistungspferd. Auch als Springpferd wäre er Weltspitze geworden“
Martin Schaudt

„Er kam bei mir regelmäßig zusammen mit seinem Kumpel Aramis auf die Koppel, denn er brauchte viel Bewegung.“

„An Elvis hängt unser Herz“
Sabine Domhöver

Zu wenig Bewegung war laut Schaudt auch der Grund für seinen Sturs von Elvis: „Ich war eine Woche in den Ferien, und Elvis wurde in der Zeit nicht geritten. Ich bin achtlos direkt mit ihm ins Gelände geritten. Da wurde er übermütig, bockte und ich fiel runter. Es war also meine Schuld.“ Ein Jahr später kam anlässlich des Turniers in Stuttgart Nadine Capellmann zu Besuch. „Martin wollt mir seine Pferde zeigen, und wir sind zusammen ausgeritten. Ich saß mit Jeans und Turnschuhen auf Elvis und er auf Weltall“, erinnert sich die Reiterin aus Würselen noch genau. An einer Lichtung tauschten die beiden Olympiareiter die Pferde und Martin Schaudt zeigte ihr kurz die Qualitäten seines Nachwuchspferdes. „Von da an wollte Nadine ihn unbedingt haben“, weiß der Reiter aus Albstadt. Nadine Capellmann liefert die Erklärung: „Er zeigte so viel Schwung und Talent für die Versammlung wie ich es selten bei einem jungen Pferd gesehen hatte.“ 2002 wechselte Elvis in den Stall von Nadine Capellmann, doch die beiden sollten erst später zusammenfinden. „An einer bestimmten Stelle am Tor buckelte er immer los. Ich fiel einmal runter, stieg wieder auf, fiel daraufhin wieder runter und zog mir eine schmerzhafte Rippenprellung zu.“ Danach stieg ihr damaliger Trainer Klaus Balkenhol in den Sattel und wurde ebenfalls nach zwei Minuten abgesetzt. Die Kaderreiterin bereitete sich zu dieser Zeit mit Farbenfroh auf die Weltreiterspiele in Jerez vor. Elvis stellte durch seine ungestüme Art ein Sicherheitsrisiko dar, und Nadine Capellmann tat das einzig Richtige: sie gab ihr Nachwuchstalent in die Hände des erfahrenen Jungpferdeausbilders Heiner Schiergen. „Elvis kam übermütig und frech zu mir. Ich habe ihn erst mal nur nach vorne geritten und bin viel im Gelände galoppiert“, erklärt Heiner Schiergen sein damaliges Konzept. „Pferde, die sich sofort alles gefallen lassen, sind später im Sport oft nicht so ehrgeizig und leistungsbereit wie die, die erst etwas schwierig waren“, ist Schiergen überzeugt.

Ziel: Einzelmedaille in Hongkong
Zwei Jahre wurde Elvis im Stall Schiergen ausgebildet, bevor Nadine Capellmann ihn wieder zu sich holte. Auf Anhieb gewann das neue Paar auf dem ersten gemeinsamen Turnier in Lingen. Es folgte der Sieg im Nürnberger Burg-Pokal mit der Rekordnote von über 82 Prozent. „Damit legten wird en Grundstein für unsere Beziehung.“ Danach ging alles sehr schnell. Kaum stellten sich die ersten Grand Prix Siege ein, wurde Nadine Capellmann zurück in den A-Kader berufen und stand bei den Weltreiterspielen in ihrer Heimatstadt Aachen auf dem höchsten Treppchen. „Das nächste große Ziel ist eine Einzelmedaille in Hongkong“, erklärt die Reiterin.
„Er ist der Traum für jeden Pfleger“, schwärmt Sabine Domhöver. „Er ist lieb, verschmust und kann jede Situation gut einschätzen.“ Eine besondere Freundin von Elvis ist die Hündin Amy. Sie darf laut Sabine Domhöver sogar auf ihm „reiten“. Zuhause und auf dem Turnier residiert Elvis in einer Doppelbox, was die Pflegerin sofort begründet: „Er ist ein Bewegungstier und kommt auch regelmäßig bei gutem Wetter aufs Paddock.“ Für Nadine Capellmann zählt nicht nur die Leistung auf dem Turnier, sondern auch das Wohlbefinden der Pferde. „Für uns ist Elvis wie ein Familienmitglied. Ich hänge sehr an ihm.“

Kleine Biografie

  • 1996: geboren und aufgewachsen bei Christian Pfeil, Bremerhaven
  • 1999: angeritten von Stefan Blanken, Hepstedt
  • 2000: Verkauf über die Verdener Frühjahrsauktion 2000 an Martin Schaudt
  • 2001: Im Dezember Verkauf an Nadine Capellmann; Beritt durch Heiner Schiergen
  • 2004: 1. Platz St. Georg Spezial in Lingen; 1. Platz Finale Nürnberger Burg-Pokal in Frankfurt
  • 2005: u.a. 2. Platz Grand Prix, 4. Platz Grand Prix Special in Stuttgart; 2. Platz Grand Prix, 2. Platz Grand Prix Special in Affalterbach; 1. Platz Grand Prix in Lingen, 1. Platz Grand Prix Special in Lingen
  • 2006: u.a. 1. Platz Grand Prix, 1. Platz Grand Prix Special Bad Salzuflen; 1. Platz Grand Prix, 1. Platz Grand Prix Special, 1. Platz Grand Prix Kür CDIO Aachen; 1. Platz Grand Prix, 1. Platz Grand Prix Kür CDI Lingen; 5. Platz Grand Prix, 4. Platz Grand Prix Special, 3. Platz Grand Prix Kür und damit Bronze Deutsche Meisterschaften Münster; Weltmeisterschaft Aachen – Mannschaftsgold mit Elvis, 5. Platz Grand Prix Special mit Elvis und 4. Platz Grand Prix Kür
  • 2007: u.a. 1. Platz Grand Prix, 1. Platz Grand Prix Special in Münster; 2. Platz Grand Prix in Bremen, 1. Platz Grand Prix, 1. Platz Grand Prix Special in Bad Salzuflen; 1. Platz Grand Prix, 1. Platz Grand Prix Kür Balve, 8. Platz Grand Prix, 5. Platz Grand Prix Special; 6. Platz Grand Prix Kür CDIO Aachen; 3. Platz Grand Prix, 2. Platz Grand Prix Special, 2. Platz Grand Prix Kür und damit Deutsche Vize-Meisterin in Gera; 2. Platz Grand Prix, 2. Platz Grand Prix Special Stuttgart.