Quelle: !das Pferdemagazin 22/2007; Text: Sabine Maurer; Foto: Toffi, Schreiner
Monica Theodorescu
Welcome back

Geschafft! Nach elf Jahren zurück
auf der Championatsbühne.
Lange hatte sie es vermisst, das Gefühl, bei einem großen Turnier wieder ganz vorne mit dabei zu sein. Kein Wunder also, dass Monica Theodorescu ihren Wiederaufstieg in die Topliga des Dressursports genießt. Ihr letzter großer Championats- Erfolg vor den Europameisterschaften in Turin war bereits elf Jahre her. Damals holte sie sich mit ihrem auffallenden Fuchs Grunox bei den Olympischen Spielen in Atlanta Mannschaftsgold und den unglücklichen vierten Platz in der Einzelwertung.
Renaissance Fleur hieß Anfang des neuen Jahrtausends ihre Hoffnungsträgerin, mit der schicken Rappstute war sie wieder zurück auf dem Weg in die Weltspitze. Doch der Traum zerplatzte am 19. Februar 2003. Die Trakehnerstute büxte aus ihrer Box aus, tobte auf dem gefrorenen Boden herum, stürzte und zog sich dabei einen Trümmerbruch im Fesselgelenk zu. Mehrere Stunden wurde „Resi“ operiert, sie überlebte. Von einer weiteren Karriere im Dressursport konnte jedoch keine Rede mehr sein.

Whisper siegte siebenjährig im Finale
des Nürnberger Burg-Pokals, jetzt tritt
er für Deutschland an.
„Ich weiß, dass ich auf diesem Niveau reiten kann. Dieses Wissen hat mir über die Durststrecke hinweg geholfen“, erzählt Monica Theodorescu, die alle ihre Top-Pferde selbst ausgebildet hat. Auch der jetzt neunjährige Whisper ist da keine Ausnahme. Seit er vier Jahre alt ist, wird der von Welthit O abstammende Württemberger- Wallach von der 44-Jährigen geritten. Zur Verfügung gestellt wird er der Reiterin von Ann Kathrin Linsenhoff. „Sie hat mir damals zwei Pferde zur Auswahl geschickt. Whisper und noch einen schicken Schimmel“, erinnert sie sich. Die Wahl fiel auf den Fuchs, bei ihm ließ sich Familie Theodorescu von der Bewegungsqualität überzeugen. „Das ist das Wichtigste bei der Auswahl eines jungen Pferdes. Das Interieur lernt man erst im Laufe der Zeit kennen“, erzählt sie.
Doch es stellte sich bald heraus, dass auch der Charakter von Whisper keine Wünsche offen lässt. Monica Theodorescu schwärmt von ihm in den höchsten Tönen. Er habe „ein fantastisches Interieur“, sei „ein ganz toller Freund“ und habe auch bei schweren Lektionen immer eine positive Einstellung. „Er hat selbst den Ehrgeiz neue Sachen zu lernen“, schwärmt sie.

Ann Kathrin Linsenhoff (ganz rechts) lies sich
die Auftritte von ihrem Whisper und Monica
Theodorescu bei der EM in Turin nicht entgehen.
Whisper ist nicht das einzige Pferd, das ihr von Ann Kathrin Linsenhoff zur Verfügung gestellt wird. In ihrem Stall steht seit zwei Jahren auch noch die von Fiedermark abstammende siebenjährige Stute First Love. Sie wurde von Familie Linsenhoff im Fohlenalter gekauft und hat laut ihrer Reiterin „irrsinnige Bewegungen“. Turnierluft hat First Love noch nicht geschnuppert, sie soll im nächsten Jahr das erste Mal in einem St. Georg vorgestellt werden. Ein potenzielles Pferd für die Zukunft im Stall Theodorescu ist auch der Wallach Charisma von Claudio Son. Er hat allerdings ein Manko. Denn laut seiner Reiterin ist der Sechsjährige „ein Weichei“ und lässt sich häufig krankschreiben.

Monica Theodorescu – Reiterin und
Trainerin.
Dies sind drei der insgesamt 50 Pferde, die auf dem Lindenhof im westfälischen Sassenberg zu Hause sind. Die Anlage hatte Familie Theodorescu vor fast 30 Jahren von einem Tierarzt übernommen, der dort Vollblüter trainierte. „Auf dem Lindenhof läuft es weiter wie bisher. Ich gebe allerdings jetzt noch mehr Unterricht“, antwortet Monica Theodorescu auf die Frage, was sich seit dem Tod ihres Vaters im August auf dem heimatlichen Hof verändert hat.
Von ihrem Vater, dem berühmten Dressurausbilder George Theodorescu, hat die Nummer 19 der Weltrangliste unter anderem die Einstellung gegenüber ihren Pferden übernommen. „Mein Pferd ist mein Freund, nicht mein Untertan. Und so wird es auch behandelt“, fasst sie ihre Grundeinstellung in zwei Sätzen zusammen. Natürlich müssten die Tiere gehorsam sein und es sei konsequente Arbeit gefragt. Aber alles müsse sehr in Ruhe geschehen und die Pferde sollten Freude an ihren Bewegungen haben.
In der Reiterei sei das Verständnis für das Pferd häufig verloren gegangen, sagt sie. Für manche sei es nur ein Statussymbol, und von den Pferden werde erwartet, dass sie funktionierten. „Sie müssen die Beine hoch reißen, damit das Publikum klatscht“, meint Monica Theodorescu. Auch die Entwicklung bei den jungen Pferden sei nicht unbedingt schön. Hier würden hoch talentierte Tiere häufig überfordert.

1978 übernahm Familie Theodorescu den
Lindenhof: George, Monica und Inge (v. li.).
Für die gelernte Übersetzerin ist der Reitsport schon längst ein Fulltime-Job. Aber nicht nur das: „Die Pferde sind auch mein Hobby. Und zwar das Schönste, das man sich vorstellen kann.“ Viel Zeit für andere Aktivitäten bleibt der 44-Jährigen nicht. Ab und zu schafft sie es mal auf den nahe gelegenen Golfplatz. In 2007 hat sie den Golfschläger allerdings kein einziges Mal in die Hand genommen, allzu schlimm findet sie das aber nicht. „Gegenüber den Pferden kommt das Golf spielen einfach nicht mit“, sagt die dreimalige Mannschafts-Olympiasiegerin.
