Quelle: !das Pferdemagazin 24/2007; Text: Thomas Borgmann; Fotos: Esperado, Krenz
Lone Jörgensen
Die Kleinen unter den Großen

Lone Jörgensen - mehr als eine Dressurreiterin.
Werbeträgerin und Modell für die Firma Esperado,
von deren Winter-Fotoshooting wir mit
freundlicher Genehmigung exklusiv Fotos
veröffentlichen.
Lone Jörgensen und Uli Eggers stecken mal wieder im Neuaufbau.
Es ist leicht, nach oben zu kommen – aber verdammt schwer sich dort zu halten. Meistens stimmen sie eben doch, die wohlfeilen Phrasen des Sports. Isabell Werth ist das beste Beispiel. Nach dem Abschied von Gigolo 2001 folgte der sportliche Abstieg. Sie versuchte es mit der Brechstange, wollte den Erfolg erzwingen, erlitt herbe Rückschläge und musste bittere Jahre überstehen. Nun ist sie wieder die Nummer eins der Weltrangliste. Ein leuchtendes Beispiel.
Auch Lone Jörgensen macht sich keine Illusionen: „Wir haben nur eine Chance und die heißt, junge Pferde zu entdecken, mit Geduld und Augenmaß ausbilden – und hoffen, dass sie möglichst weit kommen.

Das lachende Familientrio: Tochter
Monica, Lone Jörgensen und Uli Eggers.
Das Geld, um fertige Pferde zu kaufen, haben wir nie gehabt.“ Kein Grund zu hadern oder gar zum Neid auf die feine Gesellschaft des internationalen Dressursports. „Die Arbeit mit den jungen Pferden macht doch den meisten Spaß“, sagt die 45-Jährige. Drei Mal schon haben sie und ihr Partner Uli Eggers bewiesen, dass es gelingen kann: Mit dem untrüglichen Blick für das besondere Talent und dem sicheren Händchen in der täglichen Arbeit zum Erfolg.

Schau mir in die Augen Kleines!
Wempe Juwel, eine Westfalenstute von Weinberg, hieß ihr erster Volltreffer. Eigentlich hatten die beiden gelernten Springreiter, die seit 1982 auch privat ein Paar sind, ein Zukunftspferd für den Parcours gesucht. Das war 1985. Rasch erkannten sie die Qualität fürs Viereck, Lone sattelte um und gewann 1992 das baden-württembergische Hallenchampionat in der Stuttgarter Schleyer-Halle. Später wurde die Stute an Leda Stryk in die Niederlande verkauft. „Als Berufsreiter hatten wir keine Wahl“, sagt Uli Eggers. Gegen dieses Argument ist kein Kraut gewachsen.

Huch, das wäre fast daneben gegangen.
Auf der Gestütsauktion in Marbach ersteigerten die beiden 1994 den schlanken Fuchs Kennedy von Tiro – eine Sternstunde, wie sich bald erweisen sollte. Gemeinsam schafften die drei den Durchbruch in die große Welt des Dressursports: Kennedy wurde zum Botschafter der gerne und oft belächelten Pferdezucht im deutschen Südwesten, die immer fröhliche Dänin Lone Jörgensen warb auf sympathische Weise für ihr Land und der gebürtige Niedersachse Uli Eggers, seit Mitte der 70er Jahre in der Region um Stuttgart ansässig, machte sich als Aufspürer von Talenten und cleverer Stratege der Karriere seiner Partnerin einen Namen.
Das führte 1999 und 2001 zum dänischen Teambronze bei den Europameisterschaften und 2000 zu den Olympischen Spielen nach Sydney, wo die Dänen – nach einigem Verletzungspech der Pferde – nur um 17 Punkte hinter dem Bronzeplatz der USA landeten. 2003, genau zum richtigen Zeitpunkt, wurde Kennedy an den Amerikaner Robert Dover verkauft, der bei den Spielen von Athen Bronze mit seinem Team gewann. Heute ist dieser Fuchs 18 Jahre alt und genießt auf der Farm seiner Besitzerin Jane Clark den Lebensabend.

Frösteln war früher. Der Winter
kann bei Lone kommen.
„Wir sind die Kleinen unter den Großen“, sagt Uli Eggers. „Wir sind wie der Minardi-Stall in der Formel Eins.“ Immer mit dabei, an einem guten Tag die Spitzenreiter herausfordern und ärgern, rein sportlich, versteht sich. Das hatten sie sich auch mit Hardthofs Ludewig vorgenommen, dem Oldenburger von Landfriese, den ihnen das Züchterehepaar Gühring von der Schwäbischen Alb in die Obhut gegeben hatte. Auch dieses hochbeinige, schwierige Pferd führten Lone Jörgensen und Uli Eggers, unterstützt von Rudolf Zeilinger, in den Spitzensport. Die Spiele von Athen 2004 kamen allerdings zu früh, der erhoffte Durchbruch bei der WM 2006 in Aachen ging daneben. „Ludewig konnte sich mit dem Viereck in der Soers einfach nicht anfreunden“, sagt seine Reiterin im Rückblick. Und Uli Eggers räumt ein: „Das war für uns wie ein Niederschlag.“ Die bitterste Erfahrung ihrer gemeinsamen Arbeit in mehr als 20 Jahren. Inzwischen ist das Kapitel Ludewig abgeschlossen, seit Monaten steht der Zwölfjährige bei Holga Finken zum Verkauf.

Auf in die Stuttgarter Schleyer-Halle zu den
German Masters mit Donna Asana.
Vom Rückzug aus dem Spitzensport wollen Lone Jörgensen und Uli Eggers jedoch nichts wissen. Ganz im Gegenteil: „Wir haben durch die Dressur fast die ganze Welt gesehen, unserem Sport verdanken wir viel“, sagt er. Der Sport sei der Maßstab aller Arbeit mit den Pferden. Es mache einen Riesenspaß, zum Kreis der Weltbesten zu gehören. Ihr beider Ehrgeiz sei ungebrochen.
Und dann sei da noch Heinrich Kampmann aus Lingen. Der habe ihnen, völlig überraschend, seine zwölfjährige Hannoveraner Stute Rochee von Rohdiamant anvertraut; die soll nach mehr als zwei Jahren Verletzungspause behutsam wieder auf das Grans-Prix-Niveau zurückkehren. „Das Vertrauen, das Heinrich Kampmann uns entgegen gebracht hat, hat mich wirklich berührt“, sagt Lone Jörgensen.

Na, Higgins. Kommst du da dran? Lone und
Monica schauen gespannt.
In Münchingen, vor den Toren Stuttgarts, haben Lone Jörgensen und Uli Eggers zum Jahreswechsel 2006/07 den Stall gewechselt. Doch ihre gemeinsame Strategie ist die Alte geblieben. Sie lautet: ein Start in Hong Kong 2008, die dritten Olympischen Spiele hintereinander – das wär´s! Dazu haben sie die dänische Fuchsstute Donna Asana auserkoren, wieder eine Eggersche Entdeckung, die siebenjährig ist und seit dreieinhalb Jahren den beiden gehört. Auf den ersten Blick kein spektakuläres Pferd. Doch unter ihrer Reiterin entwickelt die Stute, die leicht lernt und die Ruhe behält, erstaunlichen Schwung, glänzt im starken Trab und bietet schon eine kultivierte Passage an. Noch ist ihre Leistung auf dem Viereck nicht konstant, doch Goldschleifen aus der S-Klasse hängen schon im Stall und auch der erste Sieg in der Inter II ist geschafft.

Na, Higgins. Kommst du da dran? Lone und
Monica schauen gespannt.
„Für das Turnier in der Schleyer-Halle hat sich Donna Asana für die nationale Tour qualifiziert“, sagt der Stratege Uli Eggers. Dort soll die Dressurwelt sehen, dass die beiden Süddeutschen wieder im Kommen sind. Wenn das klappt, wird weiter geplant.
Noch haben die dänischen Dressurreiter um Andreas Helgstrand und Lone Jörgensen die Qualifikation für Hongkong nicht in der Tasche. Aber man ist zuversichtlich in diesem Team, das durch seine Lockerheit so viele Sympathien genießt. Was Wunder, dass der junge saarländische Ausrüster Mirko Betz, mit seiner neuen Marke Esperado, Lone Jörgensen zum Werbeträger und Topmodel erkoren hat. „Ich kann mich nur positiv wundern“, sagt sie. Ausgerechnet jetzt, da sie mal wieder im Neuaufbau stehe und ihren Platz unter den 50 Besten der Weltrangliste verloren habe, zeige ein junger Sponsor Interesse an einer Zusammenarbeit. Woran das wohl liegen mag? Ganz einfach: Die solide Arbeit mit den Pferden hat sich noch immer ausgezahlt. Wieder so eine alte Phrase.